Die Systemwahl wird oft als technische Entscheidung behandelt. Tatsächlich ist sie eine Entscheidung über Personal, laufende Kosten und Handlungsspielraum in den nächsten Jahren.

1. Wer pflegt den Shop?

Die wichtigste Frage, und die am seltensten gestellte. Ein System, das niemand im Betrieb bedienen kann, erzeugt bei jeder Preisänderung einen Agenturauftrag.

Wenn im Haus jemand ist, der bereits mit einem bestimmten System arbeitet, ist das ein starkes Argument – stärker als jeder Funktionsvergleich.

2. Miete oder Eigenbetrieb?

Gemietete Lösungen nehmen Aktualisierungen, Sicherheit und Lastspitzen ab. Dafür ist die Eingriffstiefe begrenzt, es fallen laufende Gebühren an, und ein Wechsel ist später aufwendig.

Selbst betriebene Systeme geben Freiheit und verlangen jemanden, der Aktualisierungen einspielt und im Störungsfall reagiert. Wer diese Rolle nicht besetzt hat, betreibt nach zwei Jahren ein Sicherheitsrisiko.

3. Welche Anbindungen werden gebraucht?

Warenwirtschaft, Buchhaltung, Versanddienstleister, Marktplätze. Diese Liste vor der Systemwahl aufzuschreiben, verhindert die teuerste Art von Nacharbeit.

Zu prüfen ist nicht, ob es eine Anbindung gibt, sondern ob sie gepflegt wird. Eine Erweiterung, deren letzte Aktualisierung drei Jahre zurückliegt, ist keine Lösung, sondern eine spätere Baustelle.

4. Wie groß wird es?

Ein Shop mit fünfzig Artikeln stellt andere Anforderungen als einer mit fünfzigtausend, besonders bei Suche und Filtern.

Realistisch schätzen, nicht hoffnungsvoll: Ein System für erwartetes Wachstum zu wählen, das nicht eintritt, kostet von Anfang an mehr, ohne je einen Vorteil zu bringen.

Was bei der Agenturauswahl auffallen sollte

Wer nur ein System anbietet, wird dieses empfehlen. Das ist keine Unredlichkeit, sondern Spezialisierung – man sollte es nur wissen und die Empfehlung entsprechend einordnen.

Die aufschlussreichste Frage lautet: In welchem Fall würden Sie mir von Ihrem System abraten? Wer darauf eine konkrete Antwort hat, kennt die Grenzen. Wer ausweicht, hat keine.